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Samstag, 30. Juli « zurück

In der Stube zur Welt gekommen

Zu Hause geborener Raphael wird heute ein Jahr alt

In der Innerrhoder Statistik sind für 2015 bloss zwei Geburten aufgeführt. Das liegt daran, dass die meisten Frauen im Spital in Herisau oder St. Gallen gebären, wo es eine Geburtenabteilung gibt. Die zwei in der Statistik erwähnten Fälle waren Hausgeburten. Sandra Tenchio erzählt, weshalb sie sich dafür entschieden hat.

Der Schwangerschaftstest ist positiv, man greift zum Telefon und vereinbart einen Termin beim Gynäkologen. So macht «man» es halt einfach. So hat es auch Sandra Tenchio bei ihren ersten zwei Kindern gemacht. Aber als sie das dritte Mal schwanger wurde, entschied sie sich, nicht gleich zum Gynäkologen zu gehen. Sie vereinbarte die Kontrolltermine bei der Hebamme und ging nur für die Ultra­schalluntersuchungen zum Frauenarzt. Damals hörte sie schon von Hausgeburten, entschied sich aber für eine Hebammen–begleitete Geburt im Spital. «Ich dachte, ich habe schon zwei Kinder so zur Welt gebracht, da geht es beim dritten auch so.»

Angst kann Schmerzen auslösen
Erst bei der vierten Schwangerschaft kaufte sie sich verschiedene Bücher über die selbstbestimmte Geburt. «In Afrika gibt es Frauen, die ohne Schmerzen gebären. Ich wollte das auch erleben», sagt Sandra Tenchio. In den Büchern ist erklärt, dass Frauen oft Angst haben vor den Schmerzen bei einer Geburt. Und diese Angst ist einer der Auslöser für diese Schmerzen, weil sich dann alle Muskeln verkrampfen. Aus den Büchern lernte Sandra Tenchio, sich mittels positiven Visualisierungen, Atem– und Meditationstechniken tief zu entspannen.Sie entschied sich, Raphael bei sich zu Hause in Appenzell auf die Welt zu bringen, begleitet von einer Hebamme. Sie und ihr Mann wollten eine Geburt, bei der möglichst wenig in den natürlichen Gebärprozess eingegriffen wird. «Natürlich hatte ich ein Back–up: Ich war im Spital Herisau angemeldet, und falls irgendetwas schief gegangen wäre, hätte ich sofort eintreten können», sagt die vierfache Mutter. Wichtig für ihre Entscheidung, war auch die Unterstützung ihres Mannes. «Wenn er nicht dahinter gestanden wäre, hätte ich mich nicht für die Hausgeburt entschieden.»Bei einer Ultraschalluntersuchung stellte der Gynäkologe fest, dass die Nabelschnur um Raphaels Hals gewickelt war. Trotzdem wollte Sandra Tenchio die Hausgeburt. «Wenn es ein Risiko gegeben hätte, hätte die Hebamme mir abgeraten.»

Ein besonderes Erlebnis
Etwa zehn Stunden dauerte die Geburt. Zuhause im abgedunkelten Wohnzimmer kam Raphael am 30. Juli 2015 zur Welt. «Ich durfte sein, wie ich bin, ohne Spitalatmosphäre, ohne Schläuche am Bauch und ohne erzwungene Rückenlage», sagt Sandra Tenchio. Sie hatte keine Schmerzmittel genommen und beschreibt diese Geburt trotzdem als die schönste. Dank der Entspannungstechniken habe sie keine starken Schmerzen gehabt. «Es fühlte sich einfach an wie ein enormer Druck, ein Dehnen und Ziehen. Aber ich spürte, dass dies ein natürlicher Vorgang ist, dadurch hatte ich keine Angst.» Bei Raphael hat Sandra Tenchio das Gefühl, er sei ein zufriedenes und ausgeglichenes Kind. Die Hebamme bestätigte ihr nach der Geburt, dass zu Hause geborene Babys die Geburt besser ver­arbeiten. Die Hausgeburt sei für sie ein besonderes Erlebnis gewesen. «Es machte mich auch stolz. Zu sehen, dass ich das schaffte, gab mir mein Vertrauen in meinen Körper zurück.»


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