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Samstag, 30. Juli « zurück

Das «Vorgärtli» erzählt etwas

Reste einer dörflichen Gartenkultur sind in Appenzell noch einige zu entdecken

Prägend für das Gesicht einer Dorfstrasse waren in früheren Zeiten die Vorgärten. Sie galten auch als Aushängeschild für die Bewohner des dazugehörigen Hauses. Viele «Vorgärtli» sind verschwunden, weil sie Strassen weichen mussten oder aus praktischen Gründen.

Landschaftsarchitekt Roman Häne würde sich wünschen, dass die Tradition der Gartengestaltung nach Appenzeller Art mehr wertgeschätzt und gepflegt würde. Er vermutet, dass hierzulande die Liebe zum Gestalten der Umgebung zu kurz kommt. Mit Liebe meine er die vertiefte Auseinandersetzung an sich, also die Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen und mit der Geschichte, präzisiert er.Dies äusserte er bei einem Gang durch Appenzell, auf der Suche nach Vorgärten. Geht man heute durch die Weissbad­stras­se, durch die Engelgasse oder über den Kronengarten bekommt man eine Ahnung davon, wie die dörfliche Gartenkultur einst ausgesehen haben mag.Wohl die meisten Häuser verfügten über kleine Vorgärten. Sie dienten hauptsächlich der Zierde: Blumen mögen darin geblüht haben; vielleicht wuchsen einige Beerensträucher darin oder ein kleiner Baum. Gemüse baute man eher hinter dem Haus an. Die Appenzeller Hausfrauen bezogen dieses schon früher von den Bauern und Händlern aus dem Rheintal.

Visitenkarte des Haushalts
An manchen Häusern im Dorf entdeckt man Elemente der Appenzeller Gartentradition, wie sie bei Bauernhäusern typisch sind: den «Trüeter», einen Spalierobstbaum an der Fassade oder das «Struss­gstell» vor den Fenstern.Ein Vorgarten ist der Eingangsbereich eines Grundstücks, meist in städtisch–bürgerlich geprägtem Umfeld zu finden. Er ist ein privater, dennoch öffentlich einsehbarer Raum zwischen Strasse und Gebäude. Dazu gehören neben einem Weg zur Haustür oft eingefriedete Grün­flächen und Blumenbeete.Sie waren früher die Visitenkarte des Haushalts und entsprechend wurde der Gestaltung viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aus dem Zustand des Vorgärtlis schloss man auf die Bewohner des Hauses. Vorgärten sind eine sozio–kulturelle Erscheinung. Die Gestaltung der Vorgärten hat sich gewandelt. Hier ist ein Autoabstellplatz daraus geworden, dort ein fernöstlicher Kiesgarten, hier Ausstellungsfläche, dort Blumenwiese. Es scheint als erzählten die Vorgärten auch heute noch etwas über die Menschen im Haus.

Vorgeschriebene Gestaltung
Wie für alle Bauten und Pflanzungen müssen auch beim Anlegen des Vorgartens Vorschriften eingehalten werden. Massgeblich sind die Bestimmungen der Bauverordnung (BauV) und dort wo öffentliche Strassen und Wege betroffen sind die Strassenverordnung (StrV). Für Gartenhäuschen, Velounterstände und ähnliches muss wie üblich eine Baubewilligung beantragt werden, ebenso für die Erstellung einer Mauer oder eines Zaunes.Bauten müssen je nach Art der Strasse 3 bis 6 Meter Abstand zum Verkehrsweg haben, Bäume 4 Meter, Einfriedungen und Stützmauern mindestens 30 Zentimeter, mehr wenn sie höher als 1,50 Meter sind. Einfriedungen dürfen die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer nicht gefährden. Vor allem im Bereich von Zufahrten und Einmündungen sind Zäune, Lebhäge und Sträucher deshalb nur in beschränkter Höhe zulässig. Betreffen die baulichen Vorhaben oder Bepflanzungen an Staatsstrassen ist das Bau– und Umweltdepartement für den Vollzug von Art. 17 der Strassenverordnung zuständig, bei den übrigen Strassen der betroffene Bezirk. Es kommt auch vor, dass Mitarbeitenden vom Bezirk auffällt, dass irgendwo Gebüsch zu weit ins Trottoir hineinwächst oder ein Strauch die Sicht auf die Strasse behindert. Dann wird der Grundstücksbesitzer in der Regel unbürokratisch und freundlich darauf hingewiesen.


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