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«Wirken, wo grosser Bedarf ist»

Pater Josef Rosenast wird Bruder–Klausen–Kaplan in Sachseln (OW)

Der Innerrhoder Pallottiner Josef Rosenast hat mit Erreichen des Pensionsalters den Rückzug als Generalvikar des Bistums St. Gallen vollzogen. Nun erhält er eine neue Aufgabe zugewiesen, die ihm kaum Ruhe verschaffen wird.

Im kommenden Jahr wird das 600. Geburtsjahr des Niklaus von Flüe gefeiert. Das wird eine grosse Sache rund um die Hauptkirche in Sachseln und die Kirchen und Kapellen im Umkreis der Ranft–Schlucht. Dass Pater Josef Rosenast ab November dieses Jahres dort tätig sein wird, ist demnach eine grosse Herausforderung. Im Gespräch mit dem Provinzial hat Pater Josef entschieden, Ja zu sagen zur Berufung, die Nachfolge von Walter Signer (70) als Bruder–Klausen–Kaplan anzutreten.

Ehrenvolle Aufgabe
Ein Vierteljahrhundert lang stand Josef Rosenast im Dienst des Bistums St. Gallen – zuerst als Pfarrer von Niederhelfenschwil, Zuckenriet und Lenggenwil, dann zwölf Jahre als Generalvikar. In dieser Funktion war er viel unterwegs auch in Innerrhoden. Der Dorfappenzeller war zu jeder Zeit auch ein gern gesehener Gast im Alpstein, wo er viele Bergmessen betreute. Es keimte da und dort die Hoffnung auf, dass er sich in der Nähe niederlassen und sich vermehrt seiner engeren Heimat widmen werde. Doch der Ordensmann stellt sich aus Überzeugung in den Dienst der Pallottiner–Provinz. Er hätte auch eine Aufgabe im Ausland übernommen, wenn sein Provinzial es für angezeigt gehalten hätte, sagte er im persönlichen Gespräch mit dem Appenzeller Volksfreund. Nun werde er sich auf jene Innerrhoder konzentrieren, die nach guter Tradition Wallfahrten zu Bruder Klaus unternehmen. Und Abstecher in den Alpstein werde er in der Freizeit schon noch machen können. Zunächst aber warte auf ihn dieses Jubiläumsjahr, das von einer breit abgestützten Arbeitsgruppe organisiert und getragen wird. «Was für mich alles zu tun sein wird, bleibt abzuwarten», sagt er bescheiden. Er unterstehe der Pfarrei Sachseln und werde dort aktiv, wo man es von ihm erwartet. In Kirchen und Kapellen werde er wahrscheinlich vor allem jene Wallfahrtsgruppen betreuen, die ohne Priester anreisen. Mit der Aufgabe kann er sich gut anfreunden, denn die Schweizer Pallottiner, seit 1920 in Gossau tätig, wurden 1946 als selbstständige Bruder–Klausen–Provinz gegründet.

Laienapostolat immer wichtiger
Josef Rosenast bekennt sich gar als glühender Anhänger des Niklaus von Flüe (1417–1487). Seine Biografie werde heute oft fehlinterpretiert. Sein Wegzug aus der Familie mit zehn Kindern im 50. Altersjahr sei nur möglich gewesen, weil seine Gattin Dorothea voll hinter dieser Entscheidung stand und weil der älteste Sohn in der Lage war, das Familieneinkommen zu sichern. Als Bruder Klaus habe er Laienseelsorge im besten Sinne betrieben und wertvolle Zeichen gelebten Christentums gesetzt. Er erlangte weithin Bekanntheit als Seelsorger und geistlicher Berater nicht nur für die Landbevölkerung, sondern auch als Ratgeber für ausländische Staatsoberhäupter im Europa des 15. Jahrhunderts. Es gilt als erwiesen, dass er 1481 das «Stanser Verkommnis» rettete und so das Auseinanderbrechen der Eidgenossenschaft verhinderte. Nein, er werde nicht auf einem Brett schlafen und sein Haupt nicht auf einen Stein betten, sagt Josef Rosenast. Und er brauche auch nicht allein von der Hostie zu leben, wie es Bruder Klaus während 19 Jahren getan haben soll. «Ich bin als Priester dazu berufen, meine Mission mit meinen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Talenten zu erfüllen», betont er und fügt an: «Das Wirken des Niklaus von Flüe ist in unserer Zeit aktueller denn je!» Damit spricht er den um sich greifenden akuten Priestermangel an. Die Laienseelsorge müsse in die Bresche springen, damit christliches Denken und Handeln gesichert werden kann, ist er überzeugt.

Eine lehrreiche Zeit in Israel
Nach seinem Weggang aus dem Generalvikariat nutzte Josef Rosenast die dienstfreie Zeit für einen Bildungsaufenthalt im Heiligen Land. «Wir können eigentlich nur während eines Wechsels längere Zeit fortbleiben», erklärt er, «denn die Aufgaben der Seelsorger vertragen keine Pausen.» Er sei mit falschen Vorstellungen nach Israel gereist und mit einer Fülle neuer Erkenntnisse zurückgekehrt, stellt er fest. Die Karwoche in Jerusalem sei ihm «total eingefahren», auch und vor allem wegen des Nebeneinanders unterschiedlicher Auffassungen. In der heiligen Stadt würden Christen, Juden und Moslems zusammenleben in einer Form, die von den Medien kaum beschrieben werde. Diese seien fokussiert auf Scharfmacher und Politiker, die aus unterschiedlichsten Motiven keinen Frieden wollen. Das gewöhnliche Volk aber lebe einträchtig nebeneinander in der Hoffnung, dass endlich Ruhe einkehrt.Als er seine Ängste endlich überwunden und sich in den unterschiedlichen Quartieren frei bewegt habe, sei ihm aufgegangen, dass er viele Chancen ungenutzt habe verstreichen lassen, den Menschen und ihren Kulturen näher zu kommen. Daran aber kranke unsere Welt: «Man sucht das Verbindende zu wenig!» Und das gelte vor allem für das in sich zerrissene Christentum. Das Gebet für die Einheit der Kirche werde er mit den Wallfahrern im Ranft jedenfalls sehr bewusst pflegen. Zunächst aber nutzt er den August, um Bergmessen in der Heimat zu feiern, bevor er für einen Monat nach Rom reist als Delegat beim Generalkapitel der Pallottiner.


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