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Dienstag, 26. November « zurück

Brauerei, gestaltet wie ein Bier mit Schaumkrone

Die Brauerei Locher AG hat das Baugesuch für den Neubau der Brauerei an der Industriestrasse 12 in Appenzell eingereicht



Bis 16. Dezember ist bei der Feuerschaugemeinde Appenzell das Baugesuch für den Neubau der Brauerei Locher AG an der Industriestrasse 12 in Appenzell öffentlich aufgelegt. Es handelt sich dabei um das gesamte Brauereiprojekt, aber auch bei einer Genehmigung wird die Realisierung in Etappen erfolgen. Der nächste Bauschritt soll jedoch so schnell wie möglich in Angriff genommen werden.

Die Ausgangslage ist bekannt: Die 1886 gegründete Brauerei Locher in Appenzell hat in jüngster Zeit eine Entwicklung durchgemacht, die man vor drei, vier Jahrzehnten in diesem Ausmass nicht erwarten konnte. Im Nachhinein – also bei Kenntnis dieser ungeahnten und eigentlich nichts als erfreulichen Entwicklung – erwies sich der Entscheid, die Bierproduktion beim Firmensitz am Brauereiplatz 1 in Appenzell zu belassen, als Fehler. Die Räumlichkeiten begannen aus den Nähten zu platzen, rund um das Gebäude wuchsen Lager wie Pilze aus dem Boden und der Transportverkehr wurde zur Belastung. Unter der Situation leiden zum einen der Betrieb selber und zum anderen das ganze Dorf, vor allem natürlich die Anwohner. Es musste etwas geschehen.

Schrittweise verlegen
Bereits 2004 entstanden in Mettlen mit Logistikhalle, Füllerei und Tanks die ersten Gebäulichkeiten. Schon damals bestand die Absicht, die gesamte Brauerei schrittweise an diesem neuen Standort zu realisieren, also dort, wo eine Brauerei dieser Grössenordnung sinnvollerweise hingehört: in der Bauzone, die laut Raumplanung eigens für Industrieanlagen vorgesehen ist. Das Ganze aber war und ist immer noch ein sehr anspruchsvoller komplexer Prozess, der bis zum Abschluss insgesamt rund 15 Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Geht es nämlich ab jetzt etwa im erwarteten Tempo weiter, so dürften alle Gebäulichkeiten etwa bis 2015/16 stehen. Bis aber auch das letzte Spezialbier in Mettlen an der Industriestrasse gebraut wird und bis im Inneren wirklich alles fix und fertig eingerichtet ist, dürfte wohl das Jahr 2019 mindestens angebrochen sein.

Gestaltung der Fassade
Neu am nun eingereichten Baugesuch ist eigentlich nur das äussere Kleid der Brauerei (siehe Front). Mit dem Quartierplan, der vor rund einem Jahr genehmigt wurde, war das Volumen, der Kubus der Brauerei in ihrem Endzustand gegeben. Seitdem wurde ein Wettbewerb durchgeführt, wie die Brauerei gegen aussen gestaltet wird, also wie das unvermeidbar grosse Gebäude möglichst schön zu gestalten ist. Sieben Architekturbüros haben sich an diesem Wettbewerb beteiligt, als Sieger ging die ARGE Keller. Hubacher. Seifert Architekten hervor. Dieses Projekt wird auch realisiert, vorausgesetzt natürlich, dass die Baugenehmigung dafür erteilt wird. Das Konzept strebte an, «mit einfachen Mitteln eine markante Erscheinung der Brauerei und gleichzeitig eine gute Einbettung in die Umgebung zu erreichen».

Unten gelbbraun, oben silbrig
Man nehme ein Bierglas mit seinem Füllstrich: unten das gelbbraune flüssige Bier und oben der weisse Schaum. So wird auch die Brauerei gegen aussen farblich gestaltet, wobei das Weiss des Schaums eher als silbrig zu bezeichnen sein wird. Der «Füllstrich» zwischen diesen beiden Farben gliedert die Höhe der Anlage, sie wirkt dadurch weniger mächtig. Gleichzeitig werden die verschiedenen Höhen und Grössen der Bauteile optisch zusammengefügt. Die horizonte Unterteilung wird ergänzt durch eine senkrechte Gliederung der Fassadenelemente. Durch die Grösse der Segmente und die Beschriftung wird die Wahrnehmung der nördlichen und östlichen Fassade dem vorbeifahrenden Verkehr auf der Haslenstrasse gerecht. Die Fassade wird aus grossen Aluminiumblechen bestehen, damit wurde eine leichten Konstruktionsart gewählt. Die Fenster und Tore sowie die Flächen innerhalb der Gewände werden in einem hellen Bronzeton gestrichen. Für die Erweiterung des Tanklagers wird eine transparente Haut vorgeschlagen. Der offensichtliche Bezug zu einem Industriebau ist ehrlich und beabsichtigt.

Nächste Bauetappe im Frühling
Die Realisierung der Brauerei erfolgt in Etappen. Die nächste vorgesehene Bauetappe betrifft mit dem Sudhaus und den Tanks den vorderen Teil der Gebäulichkeiten gegen die Haslenstrasse hin. Mit der Realisierung soll begonnen werden, sobald die Baubewilligung vorliegt, wenn alles gut geht also im Frühling. Die letzte Etappe wird dann das Hochregallager und das Leergutlager betreffen.

Kooperation mit der Goba AG
Die Brauerei Locher ist mit der Mineralquelle Gontenbad AG (Goba) eine Kooperation eingegangen. Als Folge davon wird die Goba in den Räumlichkeiten der Brauerei ebenfalls Lagerplatz erhalten. Die Zusammenarbeit wird von beiden Firmen als vorteilhaft eingestuft. Auch die Goba braucht ein beträchtliches Lagervolumen. Dass sie einen Teil davon an der Industriestrasse einrichten kann, bedeutet für die Firma, dass sie in im kleinen Weiler Gontenbad räumlich entlastet wird. Vor allem aber werden durch diese Kooperation auch etliche Transportkilometer eingespart. Lieferungen von Bier– und Goba–Produkten an denselben Kunden können in Zukunft mit dem gleichen Lastwagen erfolgen, es entsteht also eine Win–win–Situtation für die Firmen, aber auch für die Umwelt.


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