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Mittwoch, 3. Juli 2013« zurück

Ortsbildschutz mit der Baumsäge

Die fünf Linden auf dem Freudenberg werden radikal verjüngt

Seit Montag werden die «Stellvertreter der Riedverwaltung» auf dem Rücken des Freudenbergs fachmännisch geschnitten. Die Verjüngungskur im Sommer schont die Bäume, weil ihre Wunden schneller verheilen.

Das Schneiden der Bäume gilt landläufig als Winterarbeit. Das hat aber weniger mit dem biologischen Bedürfnis der Holzgewächse zu tun als mit der verfügbaren Zeit des Bauern. Im Winter, wenn die Felder ruhen und alle Gehölze kahl sind, findet man eher Musse für die erforderliche Baumpflege.

Neun Jahrzehnte überlebt
Die Linden auf dem Freundenberg sind gegen neunzig Jahre alt. Der jüngst verstorbene, langjährige Riedpräsident Cölestin Fässler war als Dreikäsehoch dabei, als sein Vater sie pflanzte. Jede stehe für ein Mitglied der Riedverwaltung, habe er ihm damals erklärt. Der Standort scheint ihnen gut zu bekommen, denn sie sind zu wuchtigen Exemplaren herangewachsen. Mittlerweile sind sie gar als prägendes Element unter Ortsbildschutz gestellt, wie Riedpräsident Ernst Schiegg gegenüber der Redaktion erläuterte.

Problematische Schnittstellen
Bereits vor etwa fünfzehn Jahren sah man sich veranlasst, die Baumsäge anzusetzen. In der Zwischenzeit haben die Kolosse den damaligen Verlust mehr als wett gemacht. Über den Schnittstellen haben sich dicht an dicht Ständer aufgebaut, die bei zunehmendem Gewicht ein Zusammenbrechen der ganzen Krone provozieren könnten. Am östlichsten Baum haben kürzlich mehrere schwere Äste der Belastung nicht mehr stand gehalten. Die Linden bargen demnach zunehmend ein Gefahrenpotenzial.

Im Fixseil hängend
Die Riedverwaltung hat deshalb die Heinrich Roth GmbH, Stein SG, mit den erforderlichen Massnahmen betraut. Simon Häberlin, Baumpflegespezialist mit eidg. Fachausweis, erklärte das Vorgehen vor Ort. Wird der Baum im Sommer geschnitten, so überwachsen die Schnittstellen wesentlich schneller, und die Gefahr von eindringenden Pilz– und Fäulniserregern ist wesentlich kleiner. Die drei Männer des Roth–Teams arbeiten vom Gipfel her abwärts, gesichert an Fixseilen und in einem Spezialset sitzend, das einem Klettergurt ähnelt. Der Baum wird in Streifen von oben nach unten ausgelichtet mit dem Ziel, ihm am Ende der Prozedur ein harmonisches Aussehen zu verleihen. Durch diese Massnahme werde letztlich die Lebensdauer des Baums erhöht, sagt Simon Häberlin. Man lasse sich die Sache einige tausend Franken kosten, betonte Ernst Schiegg namens der Riedverwaltung. Man sei bestrebt, das Stiftungsareal untadelig im Schuss zu halten.

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