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Dienstag, 31. Juli 2012« zurück

Nackter Fallschirmspringer provoziert Innerrhoden

Staatsanwalt Brogli bezeichnet Nacktflug von Wasserauen als «relativ lächerliche Aktion»

Der neueste Aufreger in der «internationalen» Nackedei–Szene: In Wasserauen plumpste ein nackter Fallschirmspringer vom Himmel ? aus Protest gegen das Nacktwander–Verbot in Appenzell Innerrhoden.

Der 28–jährige Österreicher löste sich rund 700 Meter über Boden von seinem Gleitschirm–Tandem–Partner und landete mit dem Fallschirm in Wasserauen, wie «20 Minuten» berichtete und mit «Leser–Reporter»–Bildern illustrierte. Die Gesichter des Nacktfliegers und seines Helfers, des «Nacktwander–Experten» Puistola Grottenpösch (mit Feigenblatt), wurden unkenntlich gemacht.

«Ein bisschen feige»
Bisher liege keine Anzeige vor, sagten der Innerrhoder Staatsanwalt, Herbert Brogli, und ein Polizeisprecher. Der Mann würde gebüsst, wenn man rausfinde, wer er sei, sagte Brogli. Das sei «eine relativ lächerlich Aktion», findet er: «Wenn der Österreicher nicht die Grösse und den Mut hat, zu seinem Protest zu stehen, ist das ein bisschen feige und umso mehr eine sinnlose Aktion.»Denn: Nackt fliegen statt zu wandern schützt vor Busse nicht. In Innerrhoden ist es verboten, sich «nackt in der Öffentlichkeit aufzuhalten.» Zu Fuss oder in der Luft, ist gleichgültig. Die «NZZ am Sonntag» nahm den Nackt–Flug zum Anlass für ihr «E–Mail der Woche» an Landamann Carlo Schmid: «Appenzells Problem mit den Nackten bleibt ungelöst. Was ist zu tun, um die Lufthoheit zurückzuerobern?» fragte sie den Regierungspräsidenten.

Brennessel–Flur
«Um in Zukunft die Sittlichkeit vor der Nachsichtigkeit des Rechtsstaates zu schützen, überlegen wir uns, im Sinne der Prävention Landeplätze mit Brennesseln und Stechlaub zu bepflanzen und mit Jauchekanonen zu besetzen», lautet die E–Mail–Antwort das Landammanns. Auch ein Polizeisprecher äusserte die Hoffnung, der nächste Nackedei–Flieger möge in einer Brennessel–Flur landen. Der Ärger mit der Nacktwandererei im Appenzellerland begann vor vier Jahren: Nachdem im Alpstein mehrere Nacktwanderer gesichtet worden waren, verbot Innerrhoden kurzerhand den «nackten Aufenthalt in der Öffentlichkeit» im Übertretungsstrafgesetz. Die Landsgemeinde stimmte dem Gesetz zu. Wer nackt wandert – oder fliegt – wird mit 200 Franken gebüsst – sofern er erwischt wird oder seine Identität bekannt ist.

Nackedeis dürfen gebüsst werden
Im Nachbarkanton Ausserrhoden besteht kein festgeschriebenes Nacktwanderverbot. Trotzdem schrieb ein Ausserrhoder Nacktwanderer Justizgeschichte punkto Nackedei–Verbot: 2010 sprach das Ausserrhoder Kantonsgericht einen damals 47–jährigen passionierten Nacktwanderer und –schwimmer vorerst vom Vorwurf des «unanständigen Benehmens» frei. Der Mann war 2009 «födleblutt» in Herisau an einer Feuerstelle vorbei ­gewandert. Als er deswegen gebüsst wurde, focht er die Busse von 100 Franken an. 2011 jedoch sprach das Ausserrhoder Obergericht den Mann wegen «grober Verletzung der Sittlichkeit» schuldig. Und das Bundesgericht bestätigte dieses Urteil: Die Kantone dürften Nacktwanderer büssen. Zwar werde Nacktwandern vom Strafgesetzbuch nicht erfasst. Aber die Kantone seien befugt, auch nicht sexuell motivierte Nacktheit zu verbieten und zu ahnden.

Neuester Trend: Nackt–Golfen
Nach diesem höchstrichterlichen Urteil zogen zwei in Innerrhoden gebüsste Nacktwanderer ihre Rekurse gegen die Strafbefehle zurück. Möglicherweise droht Innerrhoden bald noch weiteres Ungemach mit Nackedeis: Inzwischen gehört nämlich Nackt–Golfen zu den neuesten FKK–Trends für den Urlaub – zum Beispiel im Resort «La Jenny» in der Nähe von Bordeaux. Da dürfen Golfer nackt einlochen. Es soll bisher der weltweit einzige Golfplatz für Naturisten sein. Jetzt können die Verantwortlichen des 18–Loch Golfplatzes Gonten bloss hoffen, dass nicht neue Protestaktionen geplant werden. Auf dem Golfplatz in Niederbüren SG beispielsweise ist es nämlich sogar verboten, barfuss Golf zu spielen.

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